Linguistik

15. Wandelphänomene im heutigen Portugiesischen
– Malte Rosemeyer, Albert Wall –
Kontakt:
malte.rosemeyer@romanistik.uni-freiburg.de / albert.wall@univie.ac.at

Created with Sketch.

Historische Sprachwissenschaft wird zumeist als Disziplin verstanden, deren Ergebnisse auf der Analyse historischer Daten fußen, wie beispielsweise in den Publikationsrichtlinien des Journal of Historical Linguistics:

 

Papers should have a diachronic orientation and should offer new perspectives, refine existing methodologies, or challenge received wisdom, on the basis of careful analysis of extant historical data. (https://benjamins.com/catalog/jhl, letzter Zugang 4.9.2020)

 

Anders gesagt, versuchen historische sprachwissenschaftliche Studien zumeist mehr oder weniger abgeschlossene Wandelprozesse in früheren Sprachzuständen zu beschreiben. Unsere Sektion stellt sich der Frage, in welchem Maße es möglich ist, Wandelprozesse auch anhand synchroner Daten heutiger Sprachen zu extrapolieren. Somit untersucht die Sektion die Möglichkeit einer prädiktiven historischen Sprachwissenschaft und situiert sich ganz im Sinne des Aufrufs zur Sektionsbildung im Spannungsbereich der Zeitlichkeiten zwischen Reminiszenzen und Projektionen. Gleichzeitig wirft sie ein Schlaglicht darauf, wie sich die Grammatik(en) der Weltsprache Portugiesisch im 21. Jahrhundert, die sich auch durch eine massive Expansion der Sprecher*innenzahlen vor allem der afrikanischen Varietäten auszeichnet, entwickeln wird (Reto et al. 2018: 54-57).

 

Dass die Synchronie Rückschlüsse auf derzeitige und zukünftige Wandelprozesse erlaubt, ist in der Variationslinguistik lange bekannt. Variationsphänomene sind einerseits das Ergebnis früherer Wandelprozesse, wie etwa die Grammatikalisierung von a gente zu einer Alternative für nós (Lopes 2015: 202-204). Gleichzeitig lässt die Verteilung von nós und a gente im heutigen brasilianischen Portugiesisch auf der Basis der Tatsache, dass Diffusionsprozesse zumeist s-Kurven ähneln (Weinreich et al. 1968; Kroch 1989), zukünftig eine weitere Generalisierung von a gente erwarten. Empirische Evidenz für diese Annahme findet sich bereits in Arbeiten wie Lopes (1998).

 

Neben soziolinguistischen Methoden wie der oben exemplifizierten apparent time- Methodologie, die auf Korpusdaten oder psycholinguistische Experimente angewendet werden kann, gibt es weitere Möglichkeiten der Evidenzgenerierung im Rahmen einer prädiktiven historischen Sprachwissenschaft. So lassen genaue Untersuchungen des Zusammenspiels unterschiedlicher Ebenen des Sprachsystems und der Gebrauchskontexte von sprachlichen Konstruktionen in der Synchronie unter Zuhilfenahme von Sprachwandeltheorien Rückschlüsse auf Wandelprozesse zu. In Wall (2017; 2019; 2020) wurden die phonologisch/perzeptiven Rahmenbedingungen für das von Kabatek (2002) vermutete „Ausbrechen“ des brasilianischen Artikelsystems aus dem in allen anderen romanischen Sprachen beobachteten Grammatikalisierungszyklus herausgearbeitet. Dabei erwies sich die Kombination von Datentypen als ausschlaggebend für die Argumentation. Im Hinblick auf Gebrauchskontexte analysiert beispielsweise Andrade (2019) die Opposition zwischen kanonischen und reduzierten Spaltsatzkonstruktionen und zeigt auf, dass die beiden Spaltsatztypen in ähnlichen Gebrauchskontexten auftreten. Dies lässt zum einen vermuten, dass sich die reduzierten Konstruktionen aus den kanonischen entwickelt haben, zum anderen, dass die reduzierten Spaltsätze über die Zeit die kanonischen ablösen könnten. Letztens können aber auch blocking-Phänomene identifiziert werden, die erklären können, warum ein bestimmter Wandel eben gerade nicht stattfindet (vgl. z.B. Ansaldo & Lim 2004).

 

Ein dritter methodischer Ansatz, für den sich gerade das Portugiesische hervorragend eignet, ist die vergleichende Analyse des Gebrauchs ein und derselben Konstruktion oder Opposition in verschiedenen Varietäten derselben Sprache oder sprachübergreifend. Ein solcher Vergleich ermöglicht es, die Bandbreite möglicher struktureller Lösungen für verschiedene interaktionspragmatische Konstellationen und die diachrone Logik in der Evolution solcher Strukturen zu erforschen. Die Beiträge in Álvarez et al. (2018) sind ein gutes Beispiel für das Potenzial dieses Ansatzes. Sie analysieren vergleichend ähnliche Tendenzen in brasilianischen und afrikanischen Varietäten und stellen unter Anderem fest, inwiefern sich im Brasilianischen bereits weiter fortgeschrittene Phänomene unter ähnlichen Rahmenbedingungen auch in afrikanischen Varietäten abzeichnen. Um ein weiteres Beispiel zu nennen, analysiert Rosemeyer (im Druck) den Gebrauch von partiellen Interrogativkonstruktionen im europäischen und brasilianischen Portugiesischen sowie europäischen und puerto-ricanischen Spanischen. Er zeigt anhand der puerto-ricanischen Daten auf, dass die Diffusion von Spaltsatzinterrogativkonstruktionen wie ¿Cómo era que se llamaba aquel actor? als kanonische Fragemarker vermutlich als eine graduelle Emanzipation des Gebrauchs dieser Konstruktionen aus den ursprünglichen Gebrauchskontexten erklärbar ist. Der Vergleich mit den portugiesischen Varietäten lässt vermuten, dass sich Interrogativkonstruktionen im karibischen Spanischen zukünftig ähnlich entwickeln könnten wie im Portugiesischen.

 

Wir freuen uns auf Einreichungen, die Variation in allen Bereichen der portugiesischen Grammatik behandeln und im Sinne der Sektion versuchen, zukünftige Wandelphänomene datenbasiert zu extrapolieren. Diese Beiträge können soziolinguistische, systemlinguistische oder komparative Perspektiven auf die Variationsphänomene beinhalten. Wir begrüßen vorzugsweise Beiträge zu portugiesischen Varietäten, die bislang weniger Aufmerksamkeit in der sprachwissenschaftlichen Literatur erhalten haben.

16. Zur zeitlichen Dimension des Portugiesischen: Die diachrone Untersuchung des Portugiesischen mithilfe morderner empirischer Methoden
– Carmen Widera, Georg A. Kaiser –
Kontakt:
carmen.widera@uni-konstanz.de / Georg.Kaiser@uni-konstanz.de

Created with Sketch.

Die diachrone Sprachwissenschaft stützt sich methodisch hauptsächlich auf die Analyse von diachronen und historischen Korpora. Dank digital aufbereiteter Korpora und methodologischer Weiterentwicklungen im Bereich der Korpuslinguistik sowie der Datenanalyse und -darstellung wurden zuletzt enorme Fortschritte in der diachronen Sprachforschung erzielt. Dadurch können diachrone Veränderungen der Sprache neu und anhand von sehr großen Datenmengen untersucht werden. Für das Portugiesische sind hier exemplarisch die Korpora Colonia Corpus of Historical Portuguese, Corpus Histórico do Português Tycho Brahe sowie O Corpus do Português zu nennen.

Im Rahmen unserer Sektion möchten wir Raum geben für eine Auseinandersetzung mit den Errungenschaften, Vorteilen und neuen Herausforderungen, denen bei Untersuchungen der portugiesischen Sprachgeschichte aktuell begegnet wird. Dabei möchten wir sowohl einen Austausch über bereits existierende Korpora ermöglichen als auch zur Diskussion über die Frage nach der Neuetablierung und Weiterentwicklung umfangreicher, digital erstellter Korpora anregen. Gerade in Bezug auf die Möglichkeiten digitaler Korpora stellt sich die Frage, inwiefern die methodologischen Neuerungen zur Erklärung von Sprachwandel beitragen und neue Aspekte hervorbringen können und welche Anforderungen die Korpora für diese Zwecke erfüllen müssen.

Wir begrüßen daher Einreichungen zu Studien, die beispielsweise auf diachronen oder historischen Korpora des Portugiesischen basieren und Veränderungen der portugiesischen Sprache über die Zeit hinweg mithilfe moderner empirischer Methoden analysieren. Dabei sind Untersuchungen zu Einzelphänomenen des europäischen Portugiesischen, Galicischen und der portugiesisch basierten Kreolsprachen sowie des brasilianischen Portugiesischen und des in Afrika und Asien gesprochenen Portugiesischen aus den verschiedenen Bereichen der Sprachwissenschaft willkommen. Erwünscht sind außerdem Beiträge, die sich aktuellen Fragestellungen und Anforderungen der (digitalen) Korpuslinguistik beispielsweise anhand eines konkreten Korpus widmen. Die Teilnahme von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern wird besonders begrüßt.

Abstracts für Vorträge mit maximal 400 Wörtern, schicken Sie bitte an: carmen.widera@uni-konstanz.de und georg.kaiser@uni-konstanz.de
bis spätestens 12. April 2021. Über Annahme oder Ablehnung informieren Sie die Sektionsleiter bis zum 20 April 2021.

17. Sprachkontakt, Sprachenschwund und Sprachersatz als zeitliches Phänomen in der lusophonen Welt
– Julia Kuhn, Gustavo Gomes Araújo –
Kontakt:
julia.kuhn@uni-jena.de / gustavo.luis.gomes.araujo@wu.ac.at

Created with Sketch.

Brasilien ist ein vielsprachiges und vielfältiges Land. Doch die zeitliche Entwicklung arbeitet dieser Vielfalt entgegen. So geht der Reichtum an (indigenen) Sprachen zurück.  

Sprachwandel ist ein Phänomen der Zeit. So verändern sich einerseits Sprachen selbst mit der Zeit, andererseits verschieben sich sprachliche Konstellationen zeitlich.  

Indigene Sprachen in Lateinamerika, die mitunter bis ins 20. Jahrhundert für sich isoliert geblieben waren und monolingual indigene Gesellschaften prägten, traten in den letzten Jahrzehnten immer mehr in Sprachkontakt mit der Nationalsprache, wodurch diese Gesellschaften bilingual und die jüngste Generation häufig monolingual Portugiesisch wurden. Indigene Sprachen werden aus wirtschaftlichen, bildungspolitischen u.a. Gründen zugunsten der Nationalsprache aufgegeben. Monolinguale indigene Sprecher sind nur noch wenige, ältere Menschen. Mit ihnen sterben Sprachen und Kulturen, die in Hinblick auf ihre Grammatik, die Morphosyntax, ihren Wortschatz, ihr kulturelles Wissen, ihre Mythen, ihre orale Literatur u.v.m.. einzigartig sind.  

Es ist (höchste) Zeit, die wissenschaftliche Dokumentation diese aktuellen Sprachwandelphänomene im Sprachkontakt und die in nächster Zeit verlorenzugehen drohenden sprachlichen und soziokulturellen Charakteristika schwindender Sprachen vorzunehmen. 

In dieser Sektion sind soziolinguistische Arbeiten zu Sprachkontakt und Mehrsprachigkeit, Studien zu 

Sprachwandel und –schwund, morphosyntaktische Analysen von Sprachen in Kontaktsituationen, Analysen aus den Bereichen Biocultural Diversity und Postcolonial Linguistics u.v.m. willkommen, die den Zeitaspekt unter oben genannten Gesichtspunkten und dessen Auswirkungen auf Sprache und Kultur in der lusophonen Welt darstellen.

18. Lusophone Varietäten und Sprachkontakt in Afrika: Kontinuität und Brüche in multilingualen Szenarien uvon den ersten Kontakten bis zu den aktuellen postkolonialen Verhältnissen
– Miguel Gutiérrez Maté, Eva Gugenberger –
Kontakt:
miguel.gutierrez.mate@philhist.uni-augsburg.de / eva.gugenberger@uni-flensburg.de

Created with Sketch.

Die Varietätenräume, in denen die portugiesische Sprache angesichts der aktuellen sozioökonomischen Entwicklungen größere Aussichten auf weitere Ausbreitung und Vernakularisierung in naher Zukunft zu haben scheint, befinden sich in Afrika. In drei Ländern des subsaharischen Afrikas (Angola, Guinea-Bissau, Mosambik) sowie auf mehreren Inseln an der afrikanischen Westküste (Kap Verde, São Tomé und Príncipe sowie der Insel Annobón in Äquatorialguinea) ist Portugiesisch die offizielle Sprache und im öffentlichen sowie im privaten Leben zunehmend präsent. In diesen Ländern steht das Portugiesische in engem Kontakt mit Niger-Kongo-Sprachen bzw. mit Kreolen – welche wiederum aus dem Kontakt zwischen den ersteren Sprachen und dem Portugiesichen resultieren und in der Regel bereits im 16. Jahrhundert entstanden sind (Lang 2009; Hagemeijer 2009) –, wobei sich aus beiden Sprachkontaktkonstellationenen viele und vielfältige Sprachkontaktphänomene ergeben. Die Ökologie des Kontakts war und ist in jeder dieser Regionen sehr unterschiedlich, so dass die öffentliche Präsenz des Portugiesischen ebenfalls von Land zu Land stark variiert: z.B. ist das Portugiesische in Guinea-Bissau noch recht marginal, während es sich in Angola – bedingt durch die stark eurozentrische Sprachpolitik der Portugiesen während der letzten Epoche der Kolonialzeit und durch die Vertreibung von mehreren Millionen Menschen in andere Provinzen als Folge des unmittelbar nach der Unabhängigkeit des Landes begonnenen Bürgerkriegs (1975-2002) – als Gemeinsprache in weiten Teilen des Landes durchsetzte und gegenwärtig von 71% der Bevölkerung als habituelle Sprache im Familienkreis gesprochen wird (INE 2016).

 

Ziel unserer Sektion ist es, die Vielfalt der soziolinguistischen Szenarien – insbesondere der Polyglossie-Typen – im lusophonen Afrika zu beschreiben sowie die sich aus den verschiedenen multilingualen Szenarien ergebenden Sprachkontaktphänomene bzw. die Übertragungen aus den Niger-Kongo-Sprachen sowie Kreolsprachen ins Portugiesische auf struktureller und varietätenlinguistischer Ebene zu modellieren (Mingas 2000, Silva 2003, Pinto 2004, Ashby/Barbosa 2011, Gonçalves 2012). Hierbei ist anzunehmen, dass die Ausbreitung kontaktinduzierter Merkmale der Varietätenkette „ländlich > städtisch peripher > städtisch zentral > national > transnational afrikanisch > international“ folgt (vgl. hierzu Gugenberger, im Druck, deren Modell zum Teil auf Godenzzi 2010 basiert). So eine Richtung des Sprachwandels ließe sich etwa im Falle der wohlbekannten – wenngleich bis heute aus diachroner Sicht unerforschten – Verwendung des Indefinitpronomens und Elativadverbs bué ‚viel, sehr‘ im angolanischen Portugiesisch (Lá tem bué de candongueiros; Eu gosto bué), das sicherlich aus Bantu-Sprachen stammt, zu einer geläufigen Variante in anderen luso-afrikanischen Varietäten wurde und sogar in mündlichen Varietäten des europäischen Portugiesisch möglich zu sein scheint, erkennen (Almeida 2008). Darüber hinaus möchten wir in der Sektion auf die historischen Veränderungen bei multilingualen Szenarien sowie im Allgemeinen auf die unterschiedlichen Ergebnisse des Sprachkontakts (Eigenständigkeit der koexistierenden Sprachen, Sprachwechsel, Kreolisierung, partielle Restrukturierung des Portugiesischen – vgl. Holm 2004, Inverno 2009 –, partielle Relexifizierung der indigenen Sprachen bzw. línguas nacionais durch die Aufnahme massiver Entlehnungen aus dem Portugiesischen) und auf deren Bedingtheit durch ökologische Faktoren eingehen. 

 

Zudem wollen wir die vielfältigen Probleme bezüglich der mutmaßlichen historischen Kontinuität einiger Merkmale des afrikanischen Portugiesisch zur Diskussion bringen (vgl. hierzu Gutiérrez Maté 2020: 112-117 – der u.a. auf den metalinguistischen Kommentaren von Mattos e Silva (1904) basiert – oder Lipski 1996/7 – der die auf L2-Portugiesisch geschriebenen Briefe des Königs vom Kongo im 16. Jahrhundert analysiert). Mit anderen Worten wollen wir folgender Frage nachgehen:

 

Gab es bei der Herausbildung des afrikanischen Portugiesisch unter anderen Aspekten auch eine kontinuierliche Übertragung regionaler Merkmale, durch welche sich die eventuell schon bei den ersten luso-afrikanischen Kontakten und in jedem Falle in der eigentlichen Kolonialzeit nach der Berliner Konferenz (1884/1885) entstandenen Varietäten des Portugiesischen gekennzeichnet haben? Oder ist das heutige Portugiesische Afrikas hingegen das Ergebnis von postkolonialen Verhältnissen – selbst wenn die meisten Abweichungen gegenüber dem europäischen Standardportugiesischen dem Einfluss derselben Substratsprachen, die damals auch die Restrukturierung der kolonialportugiesischen Varietäten bedingt haben, zuzuordnen sind?

 

Nicht zuletzt sollen in der Sektion auch aktuelle sprachpolitische Fragen diskutiert werden. Diese betreffen etwa die Distanzierung lusophoner Varietäten in Afrika von der europäischen Norm (Gonçalves 1996, 2005, 2010, Gregorio 2006, Inverno 2008, Timbane 2013a), die aufkommende Eigenentwicklung nationaler Varietäten und die Frage ihrer Normierung sowie deren Implikationen, z.B. für den Schulunterricht (Mapasse 2015, Timbane/Berlinck/Rosane de Anrade 2012). Darüber hinaus sollen der auch heute noch eminent multilinguale Charakter der Länder Afrikas mit Portugiesisch als offizieller Sprache und die sich daraus ableitenden Herausforderungen in den Blick genommen werden, wie etwa die Verwendung plurilingualer Ressourcen in der Alltagskommunikation und in gesellschaftlichen Schlüsselbereichen (Bildungssektor, Medien, Verwaltung etc.) (Firmino 2002, Timbane 2013b). 

Literatur:

 

Almeida, Maria Clotilde. 2008. Youngspeak, Subjectification and Language Change: the case of bué. In: Maria Clotilde Almeida, Bernd Sieberg & Ana Maria Bernardo (eds.), Questions on Language Change, Proceedings of the International Colloquium – 16 November 2006 – Faculty of Letters-Lisbon, 117-132. Lisboa: Colibri.

Álvarez López, Laura/Gonçalves, Perpétua/Ornelas de Avilar, Juanito (eds.) (2018): The Portuguese language continuum in Africa and Brasil. Amsterdam/Philadelphia: John Benjamins.

Ashby, Simone/ Barbosa, Sílvia. 2011. “Bantu substratum interference in Mozambican Portuguese speech varieties”, in: Africana Linguistica 17, 3-31. 

Firmino, Gregorio Domingos. 2002. A "questão linguística" na África pós-colonial: o caso do Português e das línguas autóctones em Moçambique. São Paulo: Editora Paulinas.

Godenzzi, Juan Carlos. 2010. “Innovación y adopción en variedades lingüísticas: el caso del doble posesivo en el español de los Andes“, in: RILI,  15, VIII, 1, 57-69.

Gonçalves, Perpetua. 1996. Portuguȇs de Moçambique. Uma variedade em formação. Maputo, Universidade Eduardo Mondlane: Faculdade de Letras/ Livraria universitaria.

Gonçalves, Perpétua. 2005. “A formação de variedades africanas do português: argumentos para uma abordagem multidimensional”, in: A língua portuguesa: Presente e futuro – Textos da Conferência Internacional “A língua portuguesa: presente e futuro”, Dezembro de 2004, Lisboa: Fundação Calouste Gulbenkian, 223-242.

Gonçalves, Perpétua. 2010. A génese do português de Moçambique. Lisboa. Imprensa Nacional – Casa da Moeda.

Gonçalves, Perpétua. 2012. “Contacto de línguas em Moçambique: Algumas reflexões sobre o papel das línguas bantu na formação do novo léxico do português“, in: Lobo, Tânia et al. (orgs.): ROSAE: Linguística histórica, história das línguas e outras histórias, Salvador: EDUFBA, 401-405.

Gregorio, Anete Mariza Torres di. 2006. “Particularidades linguísticas no português de Angola”. Revista Philologus 11 (34) (<http://www.filologia.org.br/ revista/34/10.htm>).

Gugenberger, Eva. im Druck. “Die Dynamik im lusophonen Varietätengefüge aus der Perspektive des Sprachkontakts am Beispiel von Brasilien und Angola“ (Nähere Angaben zu Sammelband noch nicht verfügbar).

Gutiérrez Maté, Miguel. 2020. “De Palenque a Cabinda: un paso necesario para los estudios afroiberorrománicos y criollos”. Gabriele Knauer, Alexandra Ortiz Wallner & Ineke Phaf-Rheinberger (eds.), Mundos caribeños – Caribbean Worlds – Mondes Caribéens. Madrid/Frankfurt: Iberoamericana/Vervuert. 105-138

Hagemeijer, Tjerk. 2009. As línguas de S. Tomé e Príncipe. Revista de Crioulos de Base Lexical Portuguesa e Espanhola1/1. 1-27.

Holm, John. 2004. Languages in Contact. The partial restructuring of vernaculars. Cambridge. University Press.

Instituto Nacional de Estatística de Angola. 2016., Resultados definitivos do recensamento geral da população e da habitação de Angola 2014. Luanda. www.ine.gov.ao (20.09.2020)

Inverno, Liliana. 2008. “Transição de Angola para o português vernáculo: uma história sociolinguística”, in: Torgal, Luís Reis (coord.): Comunidades Imaginadas, Coimbra: Imprensa da Universidade de Coimbra, 169-182.

Inverno, Liliana. 2009. “A transição de Angola para o português vernáculo: estudo morfossintático do sintagma nominal”, in: Carvalho, Ana M. (ed.): Português em contato, Madrid/ Frankfurt: Iberoamericana; Editorial Vervuert, 87-106.

Lang, Jürgen. 2009. Les langues des autres dans la créolisation. Théorie et exemplification par le créole d’empreinte wolof à l’île Santiago du Cap Vert. Tübingen: Narr.

Lipski, John M. 1996/7. “Las cartas congolesas del siglo XVI: un temprano testimonio del contacto lingüístico afro-lusitano”. In: Anuario de Lingüística Hispánica, 12, 925-938.

Mapasse, Ermelinda Lúcia Atanásio. 2015. Norma e ensino do portuguȇs no contexto moçambicano. Curitiba: Univ. Federal do Paraná (Dissertation).

Mingas, Amélia. 2000. Interferência do kimbundu no português falado em Luanda. Luanda/ Porto: Chá de Caxinde; Campo das Letras.

Pinto, Alberto Oliveira. 2004. Vocabulário de kimbundu no português de Luanda”, <http://multiculturas.com/angolanos/alberto_pinto_kimbundu.htm>.

Silva, Calane da. 2003. Tão bem palavra: estudos de linguística sobre o português em Moçambique com ênfase na interferência das línguas bantu no português e do português no bantu. Maputo: Imprensa Universitária.

Timbane, Alexandre António. 2013a. A variação e a mudança lexical da língua portuguesa em Moçambique.Universidade Estadual Paulista - Araraquara, tese de doutoramento (<http://www.catedraportugues.uem.mz/lib/docs/Tese_Doutorado_ Alexandre_A._TIMBANE.pdf>).

Timbane, Alexandre António. 2013b. “A variação linguística e o ensino do português em Moçambique”, em: Revista Confluência (Rio de Janeiro), vol. 1, 263-286.

Timbane, Alexandre António/ Berlinck, Rosane de Andrade. 2012. “A norma-padrão europeia e a mudança linguística na escola moçambicana”. Revista Gragoatá (UFF), vol. 1, 207-226.      

Vilela, Mário. 1995. “Algumas tendências da língua portuguesa em África”, in: Vilela, Mário (ed.): Ensino e língua portuguesa: léxico, dicionário, gramática, Coimbra: Almedina, 45-72. 

19. Temporalität der Sprache und Temporalität in der Sprache. Variation und Wandel im Tempus- und Aspektsystem des Portugiesischen
– Joachim Steffen, Marcelo Jaco Krug –
Kontakt:
joachim.steffen@philhist.uni-augsburg.de / marcelokrug@yahoo.de

Created with Sketch.

In seinem vielbeachteten (und selbstverständlich mittlerweile auch viel kritisierten) Beitrag zum romanischen Verbalsystem hebt Coseriu (1976) das Portugiesische als diejenige Sprache hervor, die für die seinem Modell zugrundeliegenden Dimensionen (1. Zeitebene, Vordergrund: aktuelle Ebene - Paralleler Hintergrund: inaktuelle Ebene; 2. Perspektive, Stellung des Sprechers im Verhältnis zur Verbalhandlung: Parallel – Retrospektiv – Prospektiv, wobei jeder durch die primäre Perspektive abgegrenzte Raum noch einmal nach demselben Prinzip aufgeteilt werden kann) als einzige romanische Sprache für alle nach diesem Muster entstehenden Zeiträume einfache Formen aufweist. Anders ausgedrückt verfügt das Portugiesische über ein besonders reichhaltiges Repertoire an grammatikalisierten Mitteln zur Lokalisierung von Ereignissen in der Zeit (cf. Comrie 1985: 9). Genauer betrachtet, kommt in den genannten einfachen Formen Tempus bereits gemischt mit Aspekt vor; allerdings ist daneben für den Ausdruck der zeitlichen Struktur oder Konturierung der im Verb ausgedrückten Handlung im Portugiesischen – ähnlich wie im Spanischen – das äußerst vielfältig ausgebaute System von Verbalperiphrasen bekanntlich von herausgehobener Bedeutung und bietet dem Sprecher die Möglichkeit, zahlreiche Nuancen in Bezug auf den Grad der Entwicklung eines jeweiligen Ereignisses oder des Zustands zu unterscheiden (cf. Schemann 1983; Dietrich 1973). Schließlich ist zu ergänzen, dass Zeit nicht allein durch grammatische Mittel kodiert wird, sondern auch lexikalisch ausgedrückt werden kann (z.B. durch adverbiale Adjunkte wie in não chove, chove, ainda não chove, etc.; Barroso 1994: 16, cf. Móia 2011). 

In der Sektion laden wir dazu ein, aktuelle Beiträge zu Tempus und Aspekt im Portugiesischen zu diskutieren, die insbesondere den bisher – auch im Vergleich zu anderen Bereichen der portugiesischen Linguistik – wenig beachteten Gesichtspunkt der Variation (synchrone Grammatikalisierung neuer aspektueller Verbalperiphrasen in einzelnen Varietäten; syntaktische Variation; Vergleich der Unterschiede im Tempusgebrauch  zwischen BP und EP; etc.) und des (kontaktinduzierten) Wandels (Bedeutungswandel und Verlust von Tempora; diachrone Entwicklungen und Grammatikalisierungen; grammatische Entlehnungen von Tempus- und Aspektkategorien aus Kontaktsprachen; etc.) in den Blick nehmen. Ausdrücklich möchten wir in diesem Sinne auch zu Beiträgen zu Kreolsprachen oder partiell restrukturierten Varietäten mit portugiesischer Basis aufrufen, die sich beispielsweise mit der Etymologie der Formen oder der Semantik von TMA-Markern (Clements 2009: 51) befassen. 

Zitierte Bibliographie: 

Barroso, Henrique (1994), O aspecto verbal perifrástico em português contemporâneo. Visão funcional/sincrónica, 

Clements, Clancy J. (2009), The Linguistic Legacy of Spanish and Portuguese, Cambridge.

Comrie, Bernard (1985), Tense, Cambridge.

Coseriu, Eugenio (1976), Das romanische Verbalsystem, Tübingen. 

Dietrich, Wolf (1973), Der periphrastische Verbalaspekt in den romanischen Sprachen, Tübingen.

Móia, Telmo (2011), „Sobre a expressão lexical da duração e da localização temporal em português”, in: Arden, M./Märzhäuser, C./Meisnitzer, B. (Hrsg.), Linguística do português. Rumos e pontes, München.

Schemann, Hans (1983), Die portugiesischen Verbalperiphrasen. Corpus und Analyse, Tübingen.